Sie haben sich wieder getroffen.

Die Gesprächsfaszinierten.

Die Kunstinteressierten.

Die Vernetzer.

Am zweiten Sonntag im Monat Januar. Heute.

“Irritation” lautet das Thema mit dem nun in 2012 gestartet wurde. In Zelle k4. Mit mir als Gastgeber und Rolf Eller und Peter Bogatka an meiner Seite.

Hier ein paar Punkte, die im Gedächtnis blieben:

  • Irritation meint Reiz und existiert in unterschiedlichen Intensitäten: von schwach bis heftig, von kaum wahrnehmbar bis zur grenzwertigen Provokation.
  • Die Irritation kann eine massive Störung sein oder nur der Hauch eines Impulses.
  • Jedes Bild, jedes Werk stellt einen Reiz dar –  ist Irritation.
  • Die Irritation ist die kleine Schwester der Provokation.
  • Sie ist eine künstlerische Technik, mit der die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Werk, den Künstler gezogen werden kann und ihr Einsatz wird als notwendig erachtet, um aus dem Meer an Werken herauszuragen.
  • Irritation und Performance sind  unterschiedliche künstlerische Ausdrucksmittel. Die Irritation kann auch Teil einer Performance sein.
  • Das Groteske, in der Kunsthistorie durchaus ein fester Bestandteil, und die Irritation liegen inhaltlich nahe beieinander.
  • Der Verwendung der Irritation als künstlerisches Mittel ist abhängig von der persönlichen Handschrift, der Persönlichkeitsstruktur des Künstlers.

Geredet wurde auch über die Aktivitäten des “Kulturraums Niederrhein e.V.”,  über die Onlinezeitung “Kult”, über anstehende Ausstellungen im Gelderland, die Musikbiennale im Herbst und die Regionalkonferenzen des “Kulturraum Niederrheins”. Und auch über die Arbeit im Blog von Juergen Kuester und Tobias Herrmann gab es einen Austausch, der die Funktion des Bloggens und die persönlichen Erfahrungen mit einschloss.

Sie sind so zwischen den großen Themen entstanden, ruck zuck, mal auf die Schnelle. Solche “ZwischendurchArbeiten” sind wichtig: sie motivieren.

Rolf Eller, Peter Bogatka und ich haben mal gerade so aus dem Handgelenk im Vorbeigehen, husch – husch, ein paar Stunden waren da schon weg,  eine kleine zweiteilige Weihnachtsedition erstellt. Thema: “Himmel” und “Erde”. Größe 25 x 35, Auflage jeweils 15 Stück, vierfarbig, 300 g Bütten, 40 Euro/Stk.

Also dahinter steht noch kein Plan. Aber eine Hoffnung, die Hoffnung, dass sich da etwas entwickeln wird.

Ich sitze im Atelier und zeichne, ohne Plan, auf meine spontanen Assoziationen vertrauend. Das ist alles.

Dies sind die Entwürfe zum Thema Blumen als “Papier – Mini – Objekte”. Sie sind die Grundlage für die in den nächsten Wochen zu erstellenden Druckstöcke zum Thema. Weiterhin werden diese Druckstöcke nach Abschluss des Druckvorganges als Wandobjekte Verwendung finden. Der Druckstock wird zum eigenständigen Wand – Objekt.

Will ich, dass alles, was mit mir als Person geschieht, was ich als Mensch und Künstler erlebe, denke, verarbeite, zur Kunst und damit öffentlich wird? Begreift man  ”Künstlersein” Ganzheitlich, dann ist ja alles, was man tut Kunst. Alles fließt in die eigenen Werke ein.

Ich neige  nicht zum diesem u.a. auch von Beuys und Schlingensief in Totalität vertretenem Ansatz.

Mein “Aber”: muss wirklich immer alles öffentlich sein. Ich glaube nicht, denn ich möchte mir als Künstler auch die Freiheit nehmen, darüber zu entscheiden, was öffentlich und in seiner Wirkung bedacht sein soll. Ich möchte soweit es geht die Kontrolle über mein Werk und seine Verwendung   haben. Ich möchte darüber entscheiden, welchem Personenkreis welches meiner Werke “zugeführt” werden kann. Und es gibt auch einen intimen Teil von mir, der nicht in die Öffentlichkeit gehört. Er ist mein Geheimnis, gehört nur mir.

Ich habe ein Hüftimplantat erhalten. Die Auseinandersetzung mit diesem Eingriff in meinen Körper hat auch zu einem zeichnerischen Ergebnis im Krankenhaus geführt. Meine Entscheidung ist für eine Veröffentlichung gefallen. Die kleine zeichnerische Serie heißt “hineinpflanzen – implantare”.

IMG_0366IMG_0367Ein Konzept will ich es nicht nennen. Aber Orientierungspunkte haben sich zum “Blumenprojekt” herausgeschält:

Das Thema ist abgegriffen und scheinbar verbraucht. Die Galerien, die das Thema ausstellen wollen, sind rar. Die Kunden der Galerien kaufen, aber eben keine Blumenmotive. Die Konsequenz: wer sich mit Floralem beschäftigt, arbeitet gegen den Trend, antizyklisch.

Ich glaube zu wissen, woran der Reiz des Themas für mich selbst besteht: es ist die positive Kraft dieses Motivs, die positive Symbolik bis hin zum Kitsch (Kitsch gleich Kunstproduktion unter Aufgabe des individuellen Ansatzes), die Farben – auch in ihren feinen Abstufungen, die Vielfalt der Formen, die Kompositionsmöglichkeiten und die allgemeine Akzeptanz bei uns Menschen.

In der Regel sind die Darstellungen von Blumen kitschig, abgegriffen, standardisiert. Hier kann durchaus der Versuch unternommen werden, einen eigenständigen Ansatz zu wagen.

IMG_0368IMG_0372Blumen lassen sich in der Darstellung reduzieren auf Kontur, Farbe und Kompostion. Genau das werde ich tun: die Konturen zeichnen, schwarze mit weißen Flächen kombinieren, nur eine Farbe für das gesamte Motiv verwenden und alles Verzierende konsequent weglassen.

Blumen sind allgegenwärtig. Ich werde mich daher, um das Motiv in seiner klassischen Darstellung zu brechen, auf die Darstellung der Blumen in funktionalen Bezügen konzentrieren.

Und das Gesamte werde ich nun in den nächsten Wochen ausprobieren, versuchen und schauen, ob das gedanklich entwickelte in der Umsetzung trägt.



Jetzt ist es soweit: seit Jahren, auch in der Beschäftigung mit den Bildern von Heiner Geisbe, bewegt mich die Frage nach dem Wesensgehalt der Blumen, der Zeitgemässheit dieses Motives und den Darstellungsmöglichkeiten, die über das Dekorative  Hinausgehen. Erste Ergebnisse, erstellt mit dem iPad, hier:

Und Fragen, mit möglichen Antworten, stehen ebenfalls im Raum:

1. Welche Aufgabe hat die Kunst?

Wenn sie u.a. der Unterhaltung und Verschönerung, der Erträglichkeit des Lebens dient, gehört diese Thema “Blumen” aufgenommen in den Kanon des zu Behandelnden.

2. Welche Merkmale sind für das Motiv “Blumen” kennzeichnend?

Es sind die Formen, die Form im Einzelnen, die Farbe, auch in ihrer Wirkung, die Komposition des Ensembles, also die Üppigkeit der Blumen in ihrer Vielfalt, die Blumen so einzigartig machen.

3. Worin besteht die symbolische Kraft der Blumen? Tja, sie sind das Sinnbild für das Schöne, die Hoffnung, die Harmonie. Und in ihrem Verfall wird die Begrenztheit unseres Daseins deutlich. Diese Symbolhaftigkeit fasziniert uns.

Aus “Hinein”, dem Arbeitstitel, ist jetzt der Projekttitel geworden: “SURIUM2″.

Drei Wochen auf der Insel Wangerooge mit morgendlichen Spaziergänge und viel Nachdenken im Strandkorb haben als Entwurf ein Storybord und die vorbereitenden Skizzen, auf dem iPad erstellt, ergeben:

Und hier einige Skizzen:


Ein neues Projekt entsteht – als Fortführung des “Surium – Themas”. “Hinein” ist sein Arbeitstitel. Hier die ersten Zeichnungen, erstellt mit dem Programm “sketchbook pro” auf dem iPad. Es wird gesucht – nach dem Weg ins Thema – und experimentiert – mit einer neuen zeichnerischen Technik.