Archiv für die Kategorie „double bind“

Es war der Zufall, der mich bewegt hat, in ein kleines Skizzenbuch, das irgendwo im Atelier herumlag, hineinzuschauen. Ich weiß noch, dass die kleinen Skizzen damals meinem Anspruch nicht genügten. Und jetzt, mit dem zweiten Blick geschaut, finde ich sie richtig spannend.

Man nehme einige Pakete Knetmasse, schneide sie auf, denke an “double bind” und forme “husch husch” so Einiges, färbe es ein und mache sich danach Gedanken über das Sockelproblem. Aber auch dieses wird noch gelöst werden.

Hier ein kurzer Einblick:

Wenn es nicht mehr weitergeht im Thema, dann flüchte ich bisweilen in die kleinen Moleskinbände und den Fineliner und zeichne drauf los.

Auch diesmal hat es aus der scheinbaren Sackgasse hinausgeführt und entstanden sind über achtzig kleine Skizzen, in Italien, die auf eine Weiterverarbeitung warten.

Aber irgendwie haben sie auch schon viel Eigenständiges, finde ich.

 

 

Sie sind 90 x 130 cm groß, diese zwei Drucke von Seelenkästen. Sie gleichen schwarzen Särgen und ob diese Assoziation Zufall ist oder eine inhaltliche Bedeutung hat, wird sich zeigen.

Einem spontanen Impuls folgend – als weiterer Beitrag zu dem Projekt “double bind” – wurde der Seelenkasten, der mir bisher in der Arbeit als Prototyp diente und den ich mittlerweile sehr liebe, zum Schweben gebracht – und mit dem iPhone aufgenommen und den dazugehörigen Apps nachbearbeitet: iPhoneography eben.

Die Seelenkästen sind ein erstes Ergebnis der Beschäftigung mit Engeln im Rahmen des Projektes “double bind”. Wir, d.h. Susanne Haun und ich, stehen erst am Anfang und “wühlen” uns intensiv in das Thema hinein, doppelt gebunden durch vielerlei Bedingungen. Ergebnisse können auf “Buchalovs Blog” verfolgt werden.

Inspirationen und Strukturen tauchen so langsam am Horizont auf. Hier eine erste Liste von möglichen inspirierenden Sachverhalten und Begriffen:

der Engel als Kunstfigur

der Engel als Symbol für die Beschäftigung des Künstlers mit dem Ziel der eigenen Selbstreflektion

die Beschäftigung mit dem Thema Engel als symbolisches Arbeiten,
als Aufarbeitung der eigenen seelischen Verfassung
die Seele
das Bild des wahren Selbst
die Scheinrealität
der Mythos
die Botschaft
Nike: die Dinge gehorchen dem Leierton der Siegesgötin
Archetyp und Urbild
Traumbild
kulturelle Symbole
androgyn
double bind und Schizophrenie
sehen heißt glauben, glauben heißt sehen
die große Transformation
die Licht – Wesen
erleuchtete Individuen
die Leuchtenden: Schöpfer aus der Gestalt der Urgestalt
Wächter
Mutant
Genius der Wenigen
7, die Zahl
die Engel als Zwitterwesen zwischen Goettlichem/Höherem und Menschlichem/Sein
der Mensch als Zwitterwesen,
nach Höherem strebend und verankert in der eigenen Körperlichkeit (Klee)

Susanne Haun schickte mir das Photo eines Engels, dem der Kopf fehlte und der auf seiner Schulter so etwas wie einen Kasten trug. Für mich war klar: ein Seelenkasten. Also wurde über die Seele nachgedacht – das dauert an – und gezeichnet. Und in einem zweiten Schritt entstanden “Druckskizzen” als Vorstufe für spätere großformatige Drucke.

Zeichnungen:

Druckskizzen:

Es sind die Engel. Sie sind unser Thema. Was ich gar nicht so bewusst wahrgenommen habe, war die Vielzahl der Engelsdarstellungen, die ich im Laufe der Jahre erstellt habe. Obwohl ich dem Thema sehr kritisch gegenüberstehe. Und daher haben Susanne Haun und ich die Bearbeitung des Themas “Engel” unter dem Arbeitstitel “double bind” vereinbart. Nach Aufforderung schicken wir uns per Mail Bilder zum Thema “Engel” zu, lassen sie auf uns wirken, verarbeiten sie, bearbeiten sie und versuchen so Antworten auf unsere Fragen zu finden. Wo dies genau hinführt, können wir nur erahnen. Wir wissen es nicht.

Wir wissen, dass wir doppelt gebunden sind. Auf der einen Seite ist klar, dass es keine Engel gibt. Unsere aufklärerisch geprägte Vernunft lehnt ihre Existenz ab. Andererseits werden wir ständig mit ihrer Anwesenheit in allen Lebensbereichen konfrontiert und erleben, auch aus unserem eigenen Inneren heraus, dass wir uns ihre Existenz durchaus vorstellen können. Engel faszinieren. Wir sind offenbar in diesem Punkt wie in so vielen doppelt gebunden.

Ende Januar werden Susanne und ich uns treffen und das weitere Vorgehen im Projekt besprechen.