Archiv für die Kategorie „Prägung“

Will ich, dass alles, was mit mir als Person geschieht, was ich als Mensch und Künstler erlebe, denke, verarbeite, zur Kunst und damit öffentlich wird? Begreift man  ”Künstlersein” Ganzheitlich, dann ist ja alles, was man tut Kunst. Alles fließt in die eigenen Werke ein.

Ich neige  nicht zum diesem u.a. auch von Beuys und Schlingensief in Totalität vertretenem Ansatz.

Mein “Aber”: muss wirklich immer alles öffentlich sein. Ich glaube nicht, denn ich möchte mir als Künstler auch die Freiheit nehmen, darüber zu entscheiden, was öffentlich und in seiner Wirkung bedacht sein soll. Ich möchte soweit es geht die Kontrolle über mein Werk und seine Verwendung   haben. Ich möchte darüber entscheiden, welchem Personenkreis welches meiner Werke “zugeführt” werden kann. Und es gibt auch einen intimen Teil von mir, der nicht in die Öffentlichkeit gehört. Er ist mein Geheimnis, gehört nur mir.

Ich habe ein Hüftimplantat erhalten. Die Auseinandersetzung mit diesem Eingriff in meinen Körper hat auch zu einem zeichnerischen Ergebnis im Krankenhaus geführt. Meine Entscheidung ist für eine Veröffentlichung gefallen. Die kleine zeichnerische Serie heißt “hineinpflanzen – implantare”.

Mutter025Mutter023Die Frage nach dem “Wer bin ich?” kann entscheidende Antworten nur über die Focussierung der Person der Mutter erhalten. Mütter haben im Prozess der Prägung eine zentrale Position und Schlüsselfunktion inne. Beginnend mit der embrionalen Prägung, die auch genetische Veränderungen unserer personellen Grundstruktur mit einbeziehen kann, fortgeführt über die intensive emotionale Prägung, ihren Anfang schon in der Schwangerschaft nehmend, haben Mütter in den ersten Lebensjahren auf uns als Personen im intensiven auf sie fixierten Erziehungsprozess in allen personellen Bereichen den entscheidenden Einfluss. Wir werden wie sie sind – teilweise – mehr oder weniger. Wir sind so wie sie waren.

Ob sich Mütter ihrer Rolle und prägenden Funktion auf den Heranwachsenden und der damit verbundenen Verantwortung für das zukünftige Leben ihres Kindes bewußt sind? An diesem Punkt stellt sich die Frage nach dem Bewußtsein der Verantwortung.

Die Mutter – Kind/ Kind – Mutterbeziehung ist immer. Ihr kann man sich nicht entziehen. Dabei spielt auch die Qualität dieser Beziehung keine Rolle. Die Aneinanderkettung beider besteht ein Leben lang.


Wer bin ich?

Was/wer hat mich zu dem “geprägt”, der ich bin?

Aus der Vielfalt und Komplexität an Erinnerungsstücken kristallisieren sich sieben Schlüsselbegriffe heraus:

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Situationen: die kleine Blockflöte und das Lied “Maikäfer flieg”, die Peinlichkeit beim Singen in der Kirche, weil  Oma immer die zweite Stimme mit Inbrunst sang – aber in selbsterfundener Improvisation, die Erfahrungen in der ersten Band “The strangers”, unterm Dach, mit Verstärkern aus Radioendstufen gebaut,  die Qualen auf der ersten Gitarre aus dem Versandhaus Quelle, die eigenen Bands von “Folk for for” bis “Band M”, die endlose Plattensammlung, die riesige CD- Anhäufung, die Kassetten, das Radio immer im Hintergrund, der Hunger aufs  Spielen und Komponieren oder Arrangieren. Und und und!

Was mich an einzelnen Songs prägte ist hier zu hören – neu eingespielt mit Frank Preuss und der Band M. Bitte bedienen Sie sich:

Maikäfer flieg Kuester/Preuss DOWNLOAD [rechte Maustatste + 'Ziel speichern unter']
colours Kuester DOWNLOAD [rechte Maustaste + 'Ziel speichern unter']
motherless child Band M DOWNLOAD [rechte Maustaste + 'Ziel speichern unter']
pick a pale of cottton Band M DOWNLOAD [rechte Maustaste + 'Ziel speichern unter']
blowing in the wind Band M DOWNLOAD [rechte Maustaste + 'Ziel speichern unter']
to love somebody Band M DOWNLOAD [rechte Maustaste + 'Ziel speichern unter']
it’s all over now Band M DOWNLOAD [rechte Maustaste + 'Ziel speichern unter']
universal soldier Kuester/Preuss DOWNLOAD [rechte Maustaste + Ziel speichern unter]
we shall overcome Kuester/Preuss DOWNLOAD [rechte Maustaste + Ziel speichern unter]
the house of the rising sun Band M DOWNLOAD [rechte Maustaste + 'Ziel speichern unter']
Yesterday Kuester DOWNLOAD [rechte Maustaste + 'Ziel speichern unter']


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Auch wenn nur ein Viertel unserer Person durch das Lernen aus Situationen und Ereignissen nach dem fünften Lebensjahr geprägt wird, ist in diesem Teil eines Menschenlebens sicherlich die Religion und ihr Wertesystem von besonderer Bedeutung.

Es war der Ekel vor dem Blut und der Lanzenwunde, die mich in meiner Kindheit auf Distanz gehen ließen, wenn ich Jesusdarstellungen in Kirchen sah – Abscheu gepaart mit Angst.

004Diesem Bild habe ich mich wieder genähert – mit dem Kopf, indem ich das Bild erneut abrief, sowie Informationen über die Lanze und den Söldner sammelte, der sie Jesus am Kreuz in die Seite stieß. In Kurzform: Der Söldner hieß Longinus und sein Leben wird als Lgende dargestellt. Z.B. : Die gesammelte Wundflüssigkeit Jesu vermengt mit der Erde Golgatahs heilte sein Augenleiden. Er starb als Märtyrer in der Türkei.

Aber auch die Lanze ist als Reliquie einen weiten Weg gegangen. Als Heilige Lanze, die seit dem frühen Mittelalter zu den Reichskleinodien gehörte, wurde sie in einem päpstlichen Schreiben aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts mit der Lanze des Longinus gleichgesetzt.


Wie ein roter Faden zieht sich die Musik durch all die Jahre – die selbst gemachte Musik meine ich. Und das erste Instrument war die Blockflöte. Eine Liebe hat sich nicht entwickelt.

Und das erste Lied hieß “Maikäfer flieg” – jetzt neu eingespielt mit meinem Freund Frank Preuss.

walzwerkskolonie23-01-2009

Dieser Zeitungsausschnitt aus der Rhein-Zeitung, der die Walzwerkskolonie zeigt, in der ich aufgewachsen bin, hängt im Kopf. Es stellt sich die Frage, ob es reicht, dieses Bild neu zu erschaffen, um weiter dem auf die Spur zukommen, was mich als Heranwachsenden geprägt hat.


06-02-2009

Also habe ich gezeichnet – nur das, was grob an Konturen erkennbar ist – und die Dynamik der Veränderung , die an diesem Platz ihren Anfang nahm.

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Das war ein ganz versteckter Einstieg: als Geschenk erhielt ich vor gut einem Jahr ein Skizzenbuch und spontan begann ich mit der Darstellung kleiner Situationen aus meiner Jugend.

Ich dachte immer, dass im Langzeitgedächtnis nicht mehr soviel aus dieser Zeit verankert sei. Pustekuchen: je mehr ich zeichnete, desto mehr wurde freigelegt.

Und die zentrale Frage war: was hat dich in deinen ersten Lebensjahren zu dem gemacht, was und wie du heute bist? Was hat dich so geprägt, dass es bis heute wirkt?

Und plötzlich kamen auch wieder die alten Fotos zu mir. Es wurden immer mehr. Z.B.:

Die Produktion im Skizzenbuch lief parallel weiter. Die Anzahl der Skizzen wuchs. Sie mussten eine Form finden. Der Film enstand.


hingehuscht an einem Sonntagmorgen, nach der Lektüre der ZEIT am Frühstückstisch, noch im Bademantel, ganz klar im Kopf, wirklich ausgeruht, nur dann kommt so was, mit einem Fineliner auf den Rand der Zeitung geschmiert

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 kulturelle Formung – kulturelle Prägung

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