“Die Tafelrunde” – so nannte Rosy in einer Mail an mich unsere Runde – hat sich wieder getroffen. Es ging um die Frage der Sinnhaftigkeit des künstlerischen Schaffens. In unseren Überlegungen war von Anfang an der Künstler ausgeklammert, dessen Sinnen auf die Schaffung von Kunstwerken zur Verwendung auf dem Kunstmarkt ausgerichtet ist. Hier ist die Sinnhaftigkeit von Kunst völlig klar: ein Marktprodukt herstellen und verkaufen.
Aber was gilt für den Künstler, der nicht auf diesen Markt ausgerichtet agiert und aus finanzieller Unabhängigkeit heraus oder weil er diese Rolle nicht annehmen will, sich dieser Funktion von Kunst entzieht?Idealtypisch gilt Folgendes: Ausgehend von der Prägung in Dingen der Kunst, die wir als Heranwachsende in der Erziehung durch unser persönliches Umfeld erfahren haben, führen wir die einmal eingeschlagene persönlich-kreative Entwicklung fort, beschreiten wir den Weg des Kunstschaffens, weil wir so geprägt wurden.
Persönlicher Ehrgeiz, der Wunsch nach vollständigem Begreifen der “Sache Kunst” in ihrer thematischen und technischen Vielfältigkeit führen bei vielen, nicht allen, in einem weiteren Schritt dazu, den eingeschlagenen Weg vertiefter fortzuschreiten. Jetzt geht es um “das Begreifen” der künstlerischen Aktivitäten, um das “übersetzen” der Welt mit Hilfe des Kopfes in künstlerische Produkte. Die Sinnhaftigkeit des künstlerischen Schaffens besteht jetzt in der Aneignung der Welt durch die kunstproduzierende, kreativ seiende Person. Dieser Vorgang ist ein Vorgang, der auf die weitere Ausbildung der Persönlichkeit eines Menschen zielt. Persönlichkeitsbildung ist hier die Zielrichtung von künstlerischem Handeln. Dieser Vorgang ist zeitlich nicht begrenzt, er enthält eine mögliche Sinnhaftigkeit kreativen Schaffens.
Wer so agiert, wer Kunst als Mittel der Persönlichkeitsentwicklung in einem ganz bewusst alle Lebenszeit durchdringenden Prozess begreift, der benötigt für seine Werke keine Öffentlichkeit. Er benötigt sich selbst, er ist seine eigene Öffentlichkeit. Und es zeigte sich in unserer Runde, dass ein Rückzug aus der Öffentlichkeit durch eine Reduzierung der Ausstellungsaktivitäten bei vielen von uns schon vorliegt und das stattdessen der Dialog mit anderen, anstelle von Öffentlichkeit, mit dem Ziel des Erkenntnisgewinns immer mehr an Bedeutung gewinnt. Hier findet auch oder gerade der Autodidakt seinen Platz. Hier erhält das Internet eine bedeutsame Funktion.
Die Vergänglichkeit von uns als Personen und unserer Gedanken – auch wenn sie materialisiert vorübergehend weiter existieren – bildete den Abschluss unseres Gespräches.
Fazit: Eine Möglichkeit der Sinnhaftigkeit des künstlerischen Schaffens besteht darin, das die von uns geschaffene Kunst und der Prozess uns dient, uns selbst, dem eigenen Ich.

